Missbrauchsbeauftragter startet Hilfeportal Sexueller Missbrauch

www.hilfeportal-missbrauch.de

Ein neues Online-Angebot bietet von sexueller Gewalt Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften Informationen zu Beratung, Hilfen und Fragen der Prävention. Eine Datenbank unterstützt bundesweit die Suche nach spezialisierten Beratungs- und Hilfsangeboten vor Ort. Das Hilfeportal ist spezifisch auf die Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs ausgerichtet und übernimmt eine Lotsenfunktion für das gesamte Bundesgebiet.

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Presseerklärung von GLASBRECHEN e.V. zur Preisvergabe des Theodor-Heuss-Preises an Daniel Cohn-Bendit am 20. April 2012 in Stuttgart

Große Klappe, offener Hosenlatz – und nichts dahinter?

Der Vorstand von „Glasbrechen e.V. – für die Opfer der sexualisierten Gewalt an der Odenwaldschule“, die ehemalige Schulleiterin, Frau Margarita Kaufmann und die beiden Aufklärerinnen der Verbrechen, Frau Präsidentin des OLG Frankfurt a.D., Brigitte Tilmann wie auch Frau RAin Claudia Burgsmüller, sind entsetzt über das Festhalten der Theodor-Heuss-Stiftung an ihrem umstrittenen Vorhaben, Daniel Cohn-Bendit den Preis für dessen „Zivilcourage“ am 20. April zu überreichen.

Wir alle begrüßen die Anfrage seitens der FDP/DVP Fraktionen vom 18.03.13 im Stuttgarter Landtag diesbezüglich und lesen die arrogante Stellungnahme der Ministerin Alpeter mit Verwunderung und Bedauern.

Selbstverständlich handelt es sich bei der Preisvergabe an Daniel Cohn-Bendit an sich schon um eine sehr fragwürdige Entscheidung. Daniel Cohn-Bendit hat eine für ihn offenbar typische Strategie gefahren, um sich diesen Preis jetzt zu sichern. Zunächst erklärte er – ein paar Jahre ist das nun schon her, – seine umstrittenen Aussagen aus seinem Buch „Der große Basar“ von 1975 seien „rein fiktiver Natur“ gewesen. Das glaubte ihm allerdings niemand, entsprachen sie doch viel zu sehr dem damaligen, insbesondere auch grünen Kinderladen-Zeitgeist! Die Vorläufer der Grünen-Partei-Organisation wollten so früh wie möglich sexuellen Umgang mit Minderjährigen möglichst weit runter legalisieren.

Später erklärte Daniel Cohn Bendit dann, seine „blödsinnigen“ Textstellen seinen „reine Provokation gegenüber den Spießern“ gewesen. Gegen den ursprünglich ins Feld geführten Fiktions-Gedanken sprechen jetzt auch die vor kurzem aufgetauchten Exculpationsschreiben an D C-B seitens einiger seiner potentiellen Opfer aus Kinderladen-Zeiten.

Neulich erst wurde D C-B mit den Worten zitiert, dieser „ganze alte Scheiß interessiere ihn nicht mehr“. Die Opfer der Päderasten an der OWS können so etwas leider nicht von sich behaupten.

Daniel Cohn-Bendit war von 1958 bis 1965 Schüler der Odenwaldschule. Und hier tut sich nun ein weiterer Skandal auf. Nicht nur, dass sich Cohn-Bendit bis heute in keiner Weise mit den zahllosen Opfern der Verbrechen an der OWS solidarisiert hat oder auch nur sein Bedauern gegenüber diesen öffentlich artikuliert hätte. Nein, Daniel Cohn-Bendit wurde von einem Kreis von Unterstützern des Netzwerkes rund um die kriminellen Lehrer und Lehrerinnen an der OWS für den Theodor-Heuss-Preis auserkoren. Genau so wie im Vorjahr Wolfgang Edelstein, ehemaliger Lehrer an der Odenwaldschule und ehemaliges Mitglied des MPI für Bildungsforschung in Berlin unter Hellmut Becker, beide des Vertuschens der Verbrechen an der OWS verdächtig.

Im Vorstand und im Kuratorium der Theodor-Heuss-Stiftung sitzen Leute wie Wolfgang Harder, ehemaliger Leiter der OWS und ebenso mit dem nachhaltigen Vorwurf des Vertuschens konfrontiert, wie auch die ehemalige Lehrerin und damaliges Mitglied im Vorstand des Trägervereins der Schule, Frau Benita Daublebsky. Ihr Mann, Christian Petry, ist leitender Mitarbeiter der Freudenberg-Stiftung, einer Stiftung, die maßgeblich die Odenwaldschule in den langen Jahren der Verbrechen unterstützte, und die ebenfalls bis heute weder ihr Bedauern geäußert hat noch je Spendenbereitschaft gegenüber der Opfer-Initiative Glasbrechen e.V. signalisierte. Auch die Geschäftsführerin der Freudenberg-Stiftung, Pia Gerber, gehört der Jury der Theodor-Heuss-Stiftung an. Unfassbar, der Blick auf diesen alteingesessenen, restaurativen Klüngel!

Dass die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten, Beatrice von Weizsäcker, nach Richard von Weizsäcker auch in den Gremien der Heuss-Stiftung tätig ist, rundet für uns lediglich dieses obskur geheimbündnerische Bild ab. Auch Richard von Weizsäcker war jahrelang Mitglied im Vorstand des Trägervereins der OWS – in Jahren der Verbrechen, als Freund von Hartmut von Hentig und Gerold Becker.

Wir neigen nicht zu Verschwörungstheorien. Und Daniel Cohn-Bendit ist mit Sicherheit kein Päderast.

Für uns stellt sich die Frage, ob hier immer noch ein Netzwerk tätig ist, das nicht wahrnehmen möchte, was nicht sein darf – und daher fest hält an fortgesetzten Kränkungen von Opfern des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Eine Bekräftigung solidarischen politischen Engagements sieht sicherlich anders aus, eine Ermutigung zu empathischem Handeln auch.

Vorstand und Beirat Glasbrechen e.V.
Margarita Kaufmann
Brigitte Tilmann
Claudia Burgsmüller

P.S.: Wir unterstützen den Aufruf von Netzwerk B zur Demo am Samstag, dem 20. April um 9:00 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

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Zur Preisvergabe des Theodor-Heuss-Preises an Daniel Cohn-Bendit am 20. April 2012 in Stuttgart

Der Vorstand des Vereins Glasbrechen e.V., die ehemalige Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann, und die beiden von ihr 2010 mit der Aufklärung der Verbrechen an der Internatsschule beauftragten Juristinnen, Brigitte Tilmann und Claudia Burgsmüller, möchten mit diesem Schreiben ihre Empörung ausdrücken über das Festhalten der Theodor-Heuss-Stiftung an ihrem Vorhaben, Daniel Cohn-Bendit am 20. April 2013 den Theodor-Heuss-Preis zu überreichen.

Wir gehen davon aus, dass die Verantwortungsträger der Theodor-Heuss-Stiftung ihre Entscheidungen der Preisverleihung stets im Vorfeld eingehend prüfen. Umso mehr stellen sich uns einige Fragen, auf die wir auch in ihren zahlreichen Stellungnahmen keine Antworten gefunden haben:

Im Jahr 2012 erhielt Wolfgang Edelstein, Studienleiter und Verantwortungsträger an der Odenwaldschule, die Auszeichnung der Theodor-Heuss-Stiftung.

Ein Jahr später, also 2013, soll dessen ehemaliger (Vorzeige-)Schüler, Daniel Cohn-Bendit denselben Preis erhalten.

Im Kuratorium der Stiftung sitzt Wolfgang Harder, ehemaliger Schulleiter der Odenwaldschule und direkter Nachfolger Gerold Beckers, dessen Beitrag zur Aufklärung des jahrzehntelangen Missbrauchs an „seiner Schule“ wesentlich darin bestand, die Wogen nach 1998 möglichst schnell zu glätten und einen Mantel des Schweigens auch über die Tatsache zu legen, dass während seiner Amtszeit der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen munter weiterging.

Im Vorstand der Theodor-Heuss-Stiftung sitzt auch Christian Petry, langjähriger Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung und seit 2010 deren Kuratoriumsmitglied. Dessen Frau, die Psychologin Benita Daublebsky, war unter Gerold Becker Mitarbeiterin der Odenwaldschule und jahrelanges Vorstandsmitglied der Odenwaldschule. Immer wieder war Gerold Becker bei Familie Petry-Daublebsky zu Gast.

Die Freudenberg-Stiftung zählt zu den wichtigsten Unterstützern der Theodor-Heuss-Stiftung. Ihr Vorsitzender, Hermann Freudenberg, war zudem während der Amtszeit des Schulleiters Gerold Becker Vorstandsvorsitzender des Odenwaldschule e.V.

Alle genannten Personen wussten um die „dunklen Seiten“ des Schulleiters Gerold Becker und haben ihn und die Mittäter an der Odenwaldschule gewähren lassen.

Da stellt sich die Frage: Was hat die Verantwortungsträger, auch die, die mit der Odenwaldschule verbunden sind und waren, zu ihrer Entscheidung bewogen?

Auszeichnungen ehren gemeinhin das Lebenswerk einer Person und sind von Seiten der Preisstifter stets das Ergebnis einer umfassenden Auseinandersetzung mit Leben und Wirken der in Frage stehenden Person. Dabei werden nicht nur biographische Daten kritisch betrachtet, sondern die Persönlichkeit des zu Ehrenden und sein gesellschaftliches Engagement. „Mildernde Umstände“ gegenüber möglichen Irrtümern in der Vergangenheit bleiben da stets als dunkle Flecken stehen und werden nicht selten zum Anlass letztlich von der Preisvergabe abzusehen.

Es stellt sich hier nun die Frage, warum dies bei Daniel Cohn-Bendit nicht geschah?

Kann eine spätere Relativierung von Auslassungen in einer (immer wieder zitierten) Publikation ausreichen, um deren Bedeutung auszulöschen?

Wir sagen: Nein!

Ist der ein Vorbild „demokratischen Verhaltens und freiheitlicher Gestaltung des Zusammenlebens“, der folgendes schreibt? “Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: ‘Warum spielt ihr nicht
untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere
Kinder?’ Wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“ (Cohn-Bendit 1975 in: “Der große Basar”)

Wir sagen: Nein!

Und sieben Jahre später, 1982, bringt der dann bereits 37jährige, in Politik und Gesellschaft Verantwortung Tragende seine Begeisterung über das „wahnsinnig erotische Spiel“ mit einer Fünfjährigen in einem Film zum Ausdruck.

Ist dieser Beschreiber der „freien Sexualität mit Kindern“ einer jener Preisträger, die nach dem Wunsch der Theodor-Heuss-Stiftung zu einer „demokratischen Zeitansage“ werden soll?

Wir sagen: Nein!

Es ist nicht unsere Intention, Cohn-Bendit Pädophilie nachzuweisen.

Aber wir stellen die Frage, wie sich die Verantwortungsträger der Theodor-Heuss-Stiftung und der baden-württembergische Ministerpräsident erklären, dass ein erwachsener Mann und Politiker sich öffentlich päderastischen Gedankenspielen hingibt?

Und wir stellen die Frage, was den französischen Staat bewog, Cohn-Bendit die französische Staatsbürgerschaft wegen seiner Lebensführung zu verweigern, da diese nicht „den guten Sitten“ entspräche.

Und wir stellen die Frage, warum sich Cohn-Bendit bei den potentiellen Opfern der Kinderladen-Zeit nachträglich entschuldigt hat?

Und wir stellen die Frage, wie ein verantwortungsvoller Politiker und engagierter Neudenker der Demokratie, als welchen die Jury Cohn-Bendit sieht, in der Redaktion einer Tageszeitung ein- und ausgehen und mit deren Verantwortungsträgern befreundet sein kann, die in einen heftigen Skandal um sexuellen Missbrauch verwickelt war und ihre öffentliche Forderung der Legalisierung des Geschlechtsverkehrs mit Kindern in den 70 und 80er Jahren auch nach nachträglich rechtfertigt? (Über die Tageszeitung La Libération 2005: „Il y en a une, principalement, qui nous reste en travers de la gorge, le soutien ouvert à la pédophilie dans les années 70-80.”).

Wir stellen fest: Die Vergabe des Preises der Theodor-Heuss-Stiftung an Daniel Cohn-Bendit ist zum einen ein Affront gegen alle Opfer sexuellen Missbrauchs, zum zweiten eine nachträgliche Bagatellisierung der pädophilen Aussagen eines Politikers und zum dritten ein Zeichen mangelnder Sensibilität all der Personen in der Theodor-Heuss-Stiftung, die direkt oder indirekt mit der Odenwaldschule zu tun hatten.

Und wir stellen fest, dass die Theodor-Heuss-Stiftung und auch die Partei der Grünen mit zweierlei Maß misst. Denn wäre der in redende stehende EU-Politiker ein um die Öffnung der Kirche verdienter katholischer Priester, der öffentlich von seinen „Jugendsünden“ Abstand nimmt, er wäre noch von der Vorschlagsliste gestrichen worden, bevor sein Name je öffentlich geworden wäre.

Wir fordern die Theodor-Heuss-Stiftung und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten auf, von der Vergabe des Preises an Daniel Cohn-Bendit Abstand zu nehmen.

Vorstand und Beirat Glasbrechen e.V.
Margarita Kaufmann
Brigitte Tilmann
Claudia Burgsmüller

(Dieses Schreiben ist am heutigen Mittwoch an die Fraktionen des Baden-Württembergischen Landtag und an die Theodor-Heuss-Stiftung geschickt worden)

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Bundestag will Rechte von Missbrauchsopfern stärken

Der kleinste gemeinsame Nenner unserer Regierung. Immerhin! Endlich vorgesehen. Nachträglich. Weiterlesen

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Ministerin: Brandenburg beteiligt sich nicht an Missbrauchsfonds

Dringliche Korrektur. Das Land Brandenburg hat sich mit der wirklich sagenhaften Begründung entzogen, es handele sich hier WÖRTLICH um ein Zukunftsthema. Siehe unten. Die familiären Opfer haben keine Ansprechpartner, sie stehen noch viel vereinzelter in Räumen, ihnen sollte der Opferfonds in erster Linie helfen.

Jedes vierte Mädchen, jeder achte Junge? Ungefähr fünf bis sieben Millionen noch lebende Opfer päderastischer Verbrecher? Ein Zukunfsthema? So wie der Flughafen Berlin-Brandenburg?

Macht nur so weiter. Lange bezahlen wir Euch nicht mehr.

Adrian Koerfer
Vorsitzender Glasbrechen e.V.

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Wir fordern:

Eine Kugel im Flipper
Protokoll: Missbrauchsopfer Adrian Koerfer, 57, über den beschämenden Umgang mit den Opfern sexueller Gewalt

Wow, habe ich damals gedacht. Endlich tut sich was. Im März 2010, als Pater Mertes den Missbrauch im Canisius-Kolleg thematisierte, als das Schweigen an der Odenwaldschule gebrochen wurde, als sich Zöglinge der Internatsschule Kloster Ettal und die Schutzbefohlenen der Regensburger Domspatzen äußerten, als Schriftsteller und Musiker Mut fanden, über den an ihnen begangenen pädosexuellen Missbrauch zu sprechen.
Damals, vor drei Jahren, habe ich in der „Süddeutschen Zeitung“ einen Satz gelesen. Der Pädagogik-Professor Hartmut von Hentig sprach über seinen Freund Gerold Ummo Becker den einstigen Rektor der Odenwaldschule, meinen früheren Lehrer. Wenn überhaupt, wurde Hentig zitiert, dann sei Becker von einigen wenigen Schülern verführt worden. So nicht, dachte ich. Nicht mehr mit mir. Auch ich beschloss, zu reden.
Drei Jahre sind seitdem vergangen. Drei Jahre, in denen ich jeden einzelnen Tag dem Kampf gegen das Vertuschen, das Verleugnen, das Verwischen und Beschönigen der päderastischen Verbrechen gewidmet habe. Mit meinem Namen. Mit meinem Bild in der Zeitung.
Seit drei Jahren lebe ich nun mit dem Gefühl, erkannt zu werden, wenn ich in die U-Bahn steige, in den Zug, ins Flugzeug. Erkannt als etwas, was wir in den Augen vieler noch sind: Beschmutzt, fäkalisiert und der unausgesprochenen Frage ausgesetzt „warum habt ihr euch denn nicht gewehrt?“.
Am Anfang sah es so aus, als könnte sich dieser Preis lohnen. Es gab sehr bald den „Runden Tisch“ in Berlin, es wurden Expertenteams gebildet, Arbeitsgruppen gegründet, mit Christine Bergmann eine unabhängige Missbrauchsbeauftrage eingesetzt, die ihre Arbeit aufopferungsvoll und emphatisch wahrnahm.
Und heute? Schachern der Bund und die Länder immer noch ums Geld für die Entschädigung. Stellen wir, die Betroffenen und die Opferverbände, enttäuscht fest, dass in drei Jahren praktisch nichts zu unseren Gunsten entschieden wurde. Noch immer gibt es kein Gesetz, das die Verjährungsfrist bei pädosexuellem Missbrauch verlängert. Noch immer ist die Stelle des unabhängigen Missbrauchsbeauftragten mit eigenem Etat nicht verbindlich gesichert. „Ich finanziere Sie ja“, sagte die zuständige Ministerin Kristina Schröder vergangene Woche am Runden Tisch zu dem Beauftragen Johannes-Wilhelm Röhrig. Etwa nach dem Motto: Was wollen Sie mehr?
Ich fühle mich wie die Kugel im Flipperspiel der Bundespolitik. Hört man uns noch? Will man uns überhaupt noch hören? Oder ist unser Anliegen immer noch oder schon wieder zu schmutzig, um sich damit auseinanderzusetzen? Vielleicht befürchten einige Politiker Ansteckungsgefahr. Beschmutzungsgefahr.
Im Jahr 2010 empfahl der Becker-Freund Hentig eine Strategie des Aussitzens. Zwei Jahre vielleicht, dann sei alles vorbei. Nicht mit uns. Die Vertuscher dürfen nicht gewinnen!
Spiegel Nr. 9/2013

Die Opfer pädosexueller Verbrechen in Heimen, Internaten, Sportvereinen etc. und Familien sind nach wie vor schwer enttäuscht von der Geschwindigkeit der Berliner Politik. Wir alle – unisono – beklagen den Umstand, dass seit drei Jahren faktisch und praktisch nichts zu unseren Gunsten entschieden wurde.

Wir konstatieren (konsterniert), dass die (unnötig vielen beteiligten) Bundesministerien zugeben, selbst immer noch am Anfang der Aufarbeitung wie der opferbezogenen Gesetzgebung zu stehen. Von der dringend notwendigen Ermöglichung von opfergerechten Anlaufstellen usw. ganz zu schweigen.

Stichwort: Schweigen. Einen Tag vor dem vom UBSKM veranlassten „Bilanztreffen des Runden Tisches der Bundesregierung“ liess Frau Schröder/Herr Schäuble verlauten, die Euro 50 Mio von Bundesseite zugunsten der Opferhilfe (u.a. für vom familiären Missbrauch Betroffene) könnten eventuell auch ohne das „matching“ seitens der Länder angewiesen werden… Unglaublich! Nur Bayern und Brandenburg – das reichste und das ärmste Bundesland – haben sich bislang opferempathisch gezeigt. Dazwischen klafft die grosse, vermeintlich klamme Lücke! In einem der reichsten Länder dieser Welt.

Wir fordern: eine zweite und dritte Lesung der Gesetze bzgl. Veränderung der Verjährung im Zusammenhang mit pädosexuellem Missbrauch noch in dieser Legislaturperiode. (Zeit dazu war zur Genüge vorhanden. Jetzt allerdings gibt es nur noch drei Plenarsitzungen des Parlaments, bis der „stall“ des Wahlkampfes wieder greift.) Die Veränderung der gesetzlichen Vorgaben – zivil-, wie strafrechtlich – hat unserer Meinung nach übrigens auch präventiven Charakter.

(Inside: offenbar hat das FDP-Mitglied im Rechtsausschuss die Gesetzesvorlagen bis dato blockiert. Aus Ressentiments gegenüber der Justizministerin. So funktioniert Politik heutzutage.)

Wir fordern, nach dem entsetzlichen Geeire der politisch Verantwortlichen bis dato: eine langfristige Übernahme der Verantwortung seitens des Bundes für das Thema Kindesmissbrauch.

Wir fordern: eine rechtliche Verankerung der Stelle eines unabhängigen Beauftragten/einer unabhängigen Beauftragte bei der Bundesregierung, analog zu den Positionen beispielsweise eines Datenschutzbeauftragten oder eines Wehrbeauftragten. (Es gibt in Deutschland mehr Opfer sexueller und pädosexueller Gewalt als Soldaten (von der Schnittmenge hier mal ganz abgesehen…)

Wir fordern: die Einrichtung eines vom Parlament berufenen Fachbeirats und die Möglichkeit für den Unabhängigen Beauftragten, einmal pro Legislaturperiode vor dem Bundestag zu berichten.

Wir fordern: die strukturierte, institutionalisierte Verankerung der Beteiligung von Betroffenenvertretern bei der dann hoffentlich unabhängigen Stelle eines Missbrauchsbeauftragten/einer Missbrauchsbeauftragten und einen eigenen Etat für diese wichtige (Anlauf)-Stelle.

Damit nicht mehr passiert, was neulich im Rahmen des BIlanz-Treffens „Runder-Tisch“ zu hören war, als die Minsterin Schröder (mit weißer Weste angerauscht, übrigens) zum UBSKM, Herrn Rörig sagte: „Ich finanziere sie ja“. So nach dem Motto: was wollen Sie mehr?

Wir wollen deutlich mehr, jetzt noch, in dieser Legislaturperiode, und später auch. So sind wir halt, die an zwei Händen abzuzählenden, öffentlich auftretenden Opfervertreter der über viele Generationen sexuell Missbrauchten unserer Republik.

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Opferverein kritisiert SPD-Fete in der Odenwaldschule

aus dem Darmstädter Echo vom 02.02.2013:

HEPPENHEIM. Als „schamlose Absurdität“ hat der Vorsitzende des Opfervereins „Glasbrechen“, Adrian Koerfer, die Neujahrsfeier der SPD in der Aula der Odenwaldschule (OSO) bezeichnet, bei der auch die derzeitige Schulleiterin gesprochen habe.
An die Missbrauchsopfer sei dabei mit keinem Wort erinnert worden. Stattdessen habe die SPD verdiente Mitglieder geehrt und gesungen.
„Das ist zweifelsohne ein Affront gegenüber den Opfern“, schreibt Koerfer in einem Brief an den Vorsitzenden des Trägervereins, den früheren Heppenheimer Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD), der die Feier organisiert haben soll.
Er sei fassungslos, schreibt Koerfer, zudem entsetzt „über die Unfähigkeit zu Sensibilität ihrer Partei“. Koerfer fordert „schnellstens Aufklärung“.

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Presseerklärung von Glasbrechen e.V. aus Anlass der Mitgliederversammlung vom 12. Januar 2013 und bezüglich der PE der Odenwaldschule vom 10. Januar 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

ganz im Unterschied zu der Ihnen vermutlich bekannten, nicht unterzeichneten Presseerklärung der Odenwaldschule vom 10. Januar 2013 gibt es bisher keine Vereinbarung zwischen der Odenwaldschule und Glasbrechen e.V. über weitere Regelungen zur Betroffenenhilfe.

Glasbrechen ist zu der Auffassung gelangt, dass weiterer Klärungsbedarf hinsichtlich des Ergebnisses der Verhandlungskommission Glasbrechen / Odenwaldschule vom 28. 11. 2012 besteht.

Wir begrüßen die Bereitschaft des Trägervereins der Odenwaldschule sowie des Altschülervereins, weitere Zahlungen zur Betroffenenhilfe zu leisten. In diesem Zusammenhang anerkennt Glasbrechen die Ankündigung eines (allerdings schmerzhaft geringen) Betrages von Euro 50.000,– zu Gunsten unserer Betroffenenarbeit. Wir erwarten diese Abschlagszahlung unverzüglich als dringende Hilfe für in Not befindliche Opfer.

Wie bereits seitens der Verhandlungspartner festgestellt wurde, kann diese Zahlung nur ein Anfang sein, denn alle Beteiligten sind sich darüber im Klaren, “dass es einer langfristig angelegten, dauerhaften Unterstützung des Vereins Glasbrechen” seitens der Odenwaldschule bedarf. Ob es sich dabei um fortlaufende, monatliche Zahlungen oder um jeweils signifikante Jahresbeiträge handelt, soll im Einzelnen in Nachverhandlungen geklärt werden.

Dass die Zahlungen nicht an einseitig seitens der Odenwaldschule festgelegte Bedingungen geknüpft werden können, halten wir für selbstverständlich. Über die Modalitäten der Beziehung zwischen Glasbrechen und der Stiftung “Brücken Bauen” muss weiter verhandelt werden.

Angesichts vieler leidvoller Erfahrungen in der Vergangenheit und des erneuten Vertrauensbruchs seitens der “operativen Odenwaldschule” durch die Herausgabe einer falschen Presseerklärung, sehen wir uns gezwungen, unsere jeweilige Zustimmung zu Verhandlungsergebnissen abhängig zu machen von einer detaillierten, schriftlichen Niederlegung aller vereinbarten Punkte und Fristen.

Wir begrüßen ausdrücklich das Engagement des Herrn MdL Marcus Bocklet und seine Idee einer Ergebnisfeststellung anlässlich eines zweiten Ortstermins in Heppenheim.

 

13. Januar 2013

Brigitte Tilmann, Michael Frenzel, Adrian Koerfer

Presseerklärung_vom_13.01.13

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Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“

Wir unterstützen diese Initiative, wir unterstützen sie vorbehaltlos und bitten um ihre Wahrnehmung an allen Internaten und Schulen, ganz besonders allerdings bitten wir nach wie vor um Aufmerksamkeit diesbezüglich ausdrücklich in den familienstrukturierten Internaten der sog. Reformpädagogik. Dort möchten wir an jedem Hauseingang den Aufkleber: „Kein Raum für Missbrauch“ sehen. (Ein trockener Traum.) Wenn wir allerdings bedenken, dass 80 Prozent des Kindesmissbrauchs im familiären Bereich geschieht, möchten wir den Aufkleber „Kein Raum für Missbrauch“ noch sehr viel flächendeckender aufgeklebt wahrnehmen. Wir wollen diesen Sticker eigentlich überall sehen! Und die Aufmerksamkeit für dieses grosse gesellschaftliche Problem endlich weiträumig bemerken.

Eine Anmerkung sei uns in diesem Zusammenhang erlaubt. Prävention, Intervention – sind wichtig und gut. Auch wir machen das inzwischen, unbezahlt. Genau das aber ist aus unserer Sicht ein Missverständnis: geht es ums Geld, wird’s eng. Nach vorne wird gearbeitet, hinten, wo die grossen Schulden, die Verbindlichkeiten, die Entschädigungen warten, dort wird’s knapp. Lassen Sie uns das bitte und bitter so klar sagen, bei allem Dank.

An Entschädigungsmassnahmen und Fürsorge gegenüber den hundert tausenden Opfern in Ost und West ist uns ebenso gelegen. „Entschädigungen“ kosten Geld – genau so wie Prävention und Intervention. Aus unserer Sicht kann nur ein Dreiklang hier wirksam werden, es helfen nicht bloss ein paar freundliche, öffentliche Massnahmen.

Wir denken an die den jeweiligen Systemen ausgelieferten Heimkinder in Ost und West, wir denken an die Missbrauchten in den staatlichen, kirchlichen und konfessionslosen Institutionen wie an die Misshandelten, Vergewaltigten, Gedemütigten im familiären Zusammenhang!

Wir vermissen nach wie vor jedwede Einigung der Bundesregierung im Zusammenhang mit dem neu zu formulierenden Opferschutzgesetz, den neu zu formulierenden Verjährungsfristen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch, etc.. Wir vermissen die Einrichtung von flächendeckenden Anlaufstellen für Betroffene und Opfer wie auch die Einrichtung von ambulanter Hilfe für geschädigte, beschädigte heutige Männer und Frauen. Wir vermissen sehr die angekündigte Einrichtung des sog. Opferhilfefonds von Bund und Ländern! Wir ersparen uns Kommentare zur Banken- und Eurorettung in diesem Zusammenhang.

Wir halten bitte fest, dass die Bundesregierung, und insbesondere deren drei beauftragte Ministerien (Schröder, Schavan und ganz insbesondere Leutheusser-Schnarrenberger) seit Jahren nun die Opferinteressen mit Füssen treten. (Wir raten diesbezüglich von einer Wiederwahl dieser drei Inkompetenten ab.)

Wir halten auch fest, dass es einzig dem UBSKM und seinem Team beschieden ist, auf offizieller Ebene allein und offenbar einsam gegen die Ignoranz der in Berlin Agierenden, für die Opfer des sexuellen Kindesmissbrauchs und damit  gegen das Vergessen der Tagespolitik zu kämpfen. (Was tun die anderen Parteien in unserem Interesse?)

Kurz: eine präventive Kampagne ist sehr wichtig. Eine retrospektive Aktion zu Gunsten der leider noch zahllos vorhandenen Opfer wäre ebenso wünschenswert.

Adrian Koerfer, für Glasbrechen e.V.

Kein Raum für Missbrauch

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Brief ehemaliger Mitarbeiter an die Odenwaldschule

Wir halten fest: Seit Beginn des Kindesmissbrauchs an der Odenwaldschule in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben sicherlich mehr als sechzig Lehrer an der Schule unterrichtet. Lediglich vier von ihnen konnten sich bis heute (als ehemalige Mitarbeiter) zu diesem offenen Brief bekennen. Wir bedanken uns für deren Mut und Engagement.
________________________

WIR FORDERN

An der Odenwaldschule wurden drei Schülergenerationen sexuell missbraucht und misshandelt; Schüler, Kinder und Schutzbefohlene – in einem Altersumfang von heutigen 35 bis 60 Jahren.
Wir, ehemalige Mitarbeiter der Odenwaldschule, beobachten seit der Aufdeckung der pädokriminellen Verbrechen das Verhalten der Odenwaldschule und stellen fest, dass bis heute keine nennenswerten Handlungen zur Wiedergutmachung der geschehenen Gräuel erfolgt sind. Unter anderem

  • konnte bis dato kein Vertrauen zu den Opfern der Odenwaldschule aufgebaut werden (laut dpa-Meldung vom 15.7.12 haben sich lediglich 20 (!) Opfer bei der Stiftung der Odenwaldschule gemeldet);
  • gibt es kein Gesprächsangebot für die Opfer, das diese annehmen und für ihr aktuelles Leben umsetzen können;
  • gibt es keine individuelle Einschätzung der jeweils aktuellen Lebenssituation der Opfer und daraus resultierend eine Beratung und Unterstützung für ihr weiterführendes Leben;
  • gibt es gemessen an dem Ausmaß der Taten bisher lediglich eine rudimentäre finanzielle Unterstützung für eine Hilfe zur Veränderung der jeweiligen Lebenssituation der Opfer.

Im krassen Gegensatz dazu steht heute das Herumlavieren der Odenwaldschule, ihr Wegducken und der Versuch des Aussitzens dieser für alle beschämenden Situation. Man kann es auch mit den Worten des Landtagsabgeordneten Marcus Bocklet sagen: Es besteht eine „organisierte Unzuständigkeit“, – eine kafkaeske Situation, in der die Opfer der Odenwaldschule erneut zu Opfern gemacht werden. Auf diese Weise wird die damalige Traumatisierung fortgesetzt – ohne dass die Odenwaldschule damit ein für uns sichtbares Problem hat!
Vor 2010 verhielt sich die Odenwaldschule in der Weise, dass alles getan wurde, um die Aufdeckung der Gräuel zu verhindern. Heute verhält sich die Odenwaldschule in der Weise, dass alles getan wird, um eine den Opfern gerecht werdende und von ihnen annehmbare Wiedergutmachung zu verhindern. Nach wie vor wird in erster Linie die Institution Odenwaldschule geschützt und nicht die damaligen Kinder dieser Institution.

Deshalb verlangen wir, ehemalige Mitarbeiter der Odenwaldschule, aus Respekt vor all dem erlittenen Leid, dass die oben aufgeführten Punkte jetzt endlich öffentlich in Handlung umgesetzt werden.
Wir können und wollen nicht länger mitansehen, wie das frühere Verhalten des Wegschauens der Odenwaldschule weiter fortgesetzt wird.
Nicht jene, die eine Entschädigung – moralisch und finanziell – fordern, stellen die Schule in Frage, sondern jene, die diese verhindern.

Salman Ansari
Barbara Bastian
Reiner Prinz
Christiane Wolf

ResolutionMitarbeiter.pdf

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