Privat: Hier brennt der Baum! Schon vor der Bescherung der Koalitionäre nächste Woche.

„Union will Vertreter der Opfer abschaffen“. Der SPIEGEL vom 25.11.13

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen war am 21. November 2013 zu erfahren, dass die CDU die Stelle des UBSKM downsizen möchte auf den Rang eines/einer Kinderrechtebeauftragten im Familienministerium.

Das wäre für uns Betroffene des sexuellen Kindesmissbrauchs nicht akzeptabel.

Unser Problem fand seine Ursache nicht im Sandkasten. Unser Problem ist vielschichtig, betrifft weiteste Kreise der Gesellschaft, damit der Kirchen, der Vereine und vor allem: der Familien. Wir sprechen nicht ohne Recht von acht bis zehn Millionen Betroffener pädosexueller, päderastischer Gewalt in Deutschland. Und es werden nicht weniger.

Sollten sich die beiden Koalitionäre auf die erneute Minimierung ihrer Verantwortung auf unserem Feld verständigen, und gäbe es die grosse Koalition später tatsächlich – müssten wir die Hoffnung auf eine politisch relevante Wahrnehmung unserer Anliegen und Belange wieder aufgeben. Und das nach beinahe vier Jahren Kampf auf diesem Feld und damit auch gegen die Täter und Täterinnen, tatsächliche wie potentielle. Weiterhin arbeiten wir für eine unabhängige Aufklärung und eine angemessene Entschädigung jener Opfer pädosexueller Verbrechen, die sich bis heute trauten, Ansprüche aus ihrer jeweiligen Leidensgeschichte heraus zu stellen! Und hier hoffen wir, dass wir damit anderen Opfern Mut machen konnten und weiter können.

Die Ergebnisse unser aller Kampf sind nun schwer bedroht.

Mal abgesehen davon, dass damit gesellschaftliche Verantwortung wieder einmal in Richtung von Krabbelgruppen abgeschoben würde, und die gerade erreichte Wattzahl mehrerer inzwischen mühsam, schmerzhaft aufgestellter Scheinwerfer wieder auf die Leuchtkraft einer funzeligen Energiesparlampe reduziert würde – (das scheint insgesamt ins Bild der Koalitionsverhandlungen zu passen), – verlöre auch die für das komplizierte Familienministerium vorgesehene Ministerin (Meck.-Vopo.) Schwesig bei Durchsetzung des Kinderrechtebeauftragten einen guten Teil ihres möglichen Einflusses auf bundesdeutsche Politik. Ihr Ministerium würde schon vor Amstantritt um einen doch wesentlichen Teil amputiert.

Und: Die Verantwortung der Länder wäre somit auch wieder vom Tisch. ‚Mutti‘ hätte dann zu Hause in Berlin schön sauber gemacht. Auf Kosten der Opfer pädosexueller Verbrechen – von denen nicht viele sprechen können. Deren Sprachrohr und Motor gegenüber der Berliner Legislative war bis dato der UBSKM!

Sollte der CDU-Plan Wirklichkeit werden (und nicht bloss böses Märchen sein), besteht die Gefahr, dass die meisten Errungenschaften im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch, also: Aufklärung, Prävention, Intervention und vor allem auch Entschädigungsangebote hinter den gerade mühsam erreichten Stand zurückfallen.

Dabei ist noch so viel zu tun. Wir stehen erst am Anfang einer vielleicht positiven gesellschaftlichen Entwicklung diesbezüglich: der verbreiteten Aufmerksamkeit für unsere Geschicke – und die der heute immer noch uns folgenden, (also jederzeit), vom Missbrauch betroffenen, Kinder und Jugendlichen.

Die uns so wichtige Unabhängigkeit und die Hervorgehobenheit eines mit unseren Verletzungen und deren möglichst umfangreicher Heilung politisch beauftragten, empathisch wie verständnisvoll agierenden Beamten und seines Teams würde mit der vorgesehenen Regelung obsolet.

Der UBSKM, Johannes-Wilhelm Rörig spricht im SPIEGEL von der bestehenden Gefahr, dass die Belange der Betroffenen „wieder entsorgt werden“. Zu Recht spricht er von einem „unverantwortlichen Signal“.

Das kann und darf so nicht Realität werden. Wir fordern nach wie vor ein Upgrading der Stelle des oder der UBSKM. Downsizing ist mit uns Opfervereinen und Betroffeneninitiativen nicht mehr zu machen. Und eine Merkelsche-Stunde Null findet mit uns nicht statt!

Wer bitteschön sollte 2014 ff die für uns so wichtigen Aufgaben des UBSKM übernehmen? Der geplante ‚Kindersachverständige‘? Bitte nicht! Mindestens die Beibehaltung der Stelles des UBSKM ist für die Opfer des sexuellen Kindesmissbrauchs lebensnotwendig. Für die Überlebenden des sexuellen Kindesmissbrauchs. WIR haben diese Stelle gefordert und endlich ihre Einrichtung erreicht. WIR fordern weiterhin die direkte Anbindung der UBSKM-Stelle an die Bundesregierung. Und wir fordern weiterhin deren Unabhängigkeit.

Eine CDU, die statt dessen, im Gegenteil also, gegen unseren Willen, die Abschaffung der Stelle des UBSKM festschreiben will, hat nichts verstanden, nichts begriffen, hat nie zugehört (Bsp.: Frau Minsterin Kristina Schröder)!

Ich habe den Eindruck, dass man es seitens der CDU-Führung immer noch nicht begriffen hat, dass die unzähligen Opfer des sexualisierten Kindesmissbrauchs in der BRD und der DDR heute keine Kinder mehr sind, sondern vielmehr oftmals unterschiedlichst traumatisierte Erwachsene. Und es werden nicht weniger, während jede Uhr weiter tickt. Die Einrichtung eines Kinderrechtesachverwalters wäre für uns ein Hohn, ein Schlag ins Gesicht – sollte dieser dann auch noch Verantwortung für den Lenkungsausschuss und – schlimmer noch – für wichtige, unbedingt notwendige werdende Verbesserungen beim OEG, dem EHS und in den vielen relevanten Gesetzen übernehmen.

Ich hoffe, wir hoffen, dass dieses jetzt noch grausige Märchen sich nicht als Alptraum für die Überlebenden des Missbrauchs entpuppt. Sonst wird ‚Mutti‘ sich noch ganz viele schreckliche Geschichten anhören müssen. Ob sie will oder nicht.

Unser aller Kampf muss intensiviert werden. Wir haben nur noch drei Tage Zeit, um politisch massiv zu intervenieren!

Adrian Koerfer, 1. Vorsitzender von Glasbrechen e.V . und gewähltes Mitglied im Betroffenenbeirat des Lenkungsausschusses im Bundesfamilienministerium

 
 
 
D/Koalition/2013/Parteien/CDU/CSU/SPD/Kinder
Schwesig: SPD will Missbrauchsbeauftragten der Regierung erhalten
- «Setzen uns in Koalitionsgesprächen dafür ein» =

BERLIN, 24. November (AFP) - Die SPD will sich in den
Koalitionsverhandlungen für den Erhalt der Stelle des
Missbrauchsbeauftragten einsetzen, die Familienpolitiker der Union
offenbar in dieser Form abschaffen wollen. «Die SPD will den
Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
erhalten», erklärte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela
Schwesig am Sonntag in Berlin. «Er leistet eine enorm wichtige
Arbeit. Die vielen Betroffenen erwarten das zurecht von einer
zukünftigen Bundesregierung.» Ihre Partei werde sich in den
Verhandlungen mit der Union für die Fortführung der erfolgreichen
Arbeit des Beauftragten einsetzen, betonte Schwesig.

Nach «Spiegel»-Informationen hatten die CDU-Unterhändler in der
Koalitionsarbeitsgruppe Familien, Frauen und Gleichstellung dafür
plädiert, nur noch einen «Kinderrechtebeauftragten» einzusetzen, der
unter anderem für das Thema Missbrauch zuständig wäre.

Nach den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche und der
Odenwaldschule war die Stelle des Missbrauchsbeauftragten 2010 von
Union und FDP gegründet worden. Er entwickelte sich zum
Bündnispartner für Betroffeneninitiativen und warf der
Bundesregierung wiederholt Untätigkeit vor. Nun soll die Stelle laut
«Spiegel» womöglich wieder unter stärkere politische Aufsicht
kommen. Der Unabhängige Beauftragte Johannes-Wilhelm Rörig sprach
von einem «unverantwortlichen Signal». Eine Abwertung der Stelle
würde bedeuten, dass die Belange der Betroffenen «wieder entsorgt
werden», sagte er dem Magazin.

cha/hex

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