Glasbrechen begrüsst Urteil des Amtsgerichts Bensheim gegen Frank G.

Glasbrechen, der Verein der Opfer sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule, begrüßt die Entscheidung des Amtsgerichts Bensheim, Frank G. wegen des Besitzes von über 100.000 kinderpornografischen Fotos und Videos zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung zu verurteilen. Auch wenn der ehemalige Lehrer an der Odenwaldschule vor Gericht beteuerte, seine pädophilen Neigungen im Griff zu haben, so darf nicht übersehen werden, dass schon der Handel im und das Herunterladen solcher Fotos aus dem Internet ein Akt fortgesetzter Gewalt gegen die minderjährigen Opfer darstellt. Auch dass G. sich vor Gericht als Versicherungsmakler ausgab und seine Tätigkeit als Lehrer an einer Schule auf Rügen erst auf Nachfragen des Richters zugab, spricht dafür, ihn zukünftig von der Arbeit mit Kindern fernzuhalten. Somit hat das Bensheimer Urteil Signalwirkung selbst für den Fall, dass eine höhere Instanz die Freiheitsstrafe doch noch zur Bewährung aussetzen sollte.

Auch wenn der Fall von Frank G. unmittelbar nichts mit den weit über einhundert Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule zwischen 1960 und 1990 zu tun hat, so beweist er doch die Anziehungskraft dieser Schule für Pädophile auch nach der Aufdeckung des Skandals im Frühjahr 2010.

Glasbrechen e.V. sieht sich im Auftrag seiner Mitglieder und aller Opfer sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule, auch in Zukunft an der Entwicklung moderner und wirkungsvoller Präventionsstrategien mit zu arbeiten.

Johannes von Dohnanyi
für den Vorstand von Glasbrechen e.V.

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Glasbrechen macht weiter: unsere Satzungsziele sind noch lange nicht erreicht

Die Mitglieder des Opfervereins der Odenwaldschule “Glasbrechen e.V.” haben auf der ordentlichen Mitgliederversammlung am letzten Januar-Wochenende in Mönchengladbach einstimmig die uneingeschränkte Fortsetzung der Vereinsarbeit beschlossen.
Damit sind die seit Herbst 2015 immer wieder aufgetauchten Gerüchte über eine unmittelbare bzw. geplante Auflösung von “Glasbrechen e.V.” endgültig widerlegt.
Nachdem sowohl die Interimsvorsitzende des Vereins, Sabine Pohle, als auch Wolfram Spitzner ihre Ämter mit Sitzungsbeginn niedergelegt hatten, wurden von der Mitgliederversammlung Kandidatenvorschläge gemacht und komplett neu gewählt. Dem Vorstand gehören ab sofort Sabine Pohle (als Erste Vorsitzende), Johannes von Dohnanyi (Zweiter Vorsitzender und Pressearbeit), der Rechtsanwalt Jörg Hoffmann (auch Geschäftsstelle des Vereins)und der Unternehmer Kai Wilhelmi an.
Der neue Vorstand wird die begonnene erfolgreiche Arbeit der vergangenen fünf Jahre fortsetzen. Dazu gehören vor allem die Unterstützung von Opfern der sexualisierter Gewalt der Odenwaldschule, die historische und politische Aufarbeitung der Verbrechen an der Schule sowie das Bestreben, an dem Restvermögen der insolventen Odenwaldschule beteiligt zu werden, um das oben genannte Ziel auch in Zukunft verfolgen zu können.
Zusammen mit der Annahme der Wahl bedankte sich der neue Vorstand erneut ausdrücklich für den großen Einsatz und die Erfolge der zum vergangenen Jahresende von ihren Ämtern und aus dem Verein ausgetretenen Mitgliedern. Dieser Dank gilt insbesondere dem ehemaligen Vorstandsmitglied Adrian Koerfer und dem Beiratsmitglied Brigitte Tillmann.
Die Mitglieder und der jetzige Vorstand von Glasbrechen e.V. wünscht beiden viel Erfolg bei ihren Aufgaben in den durch den UBSKM Wilhelm Rörig ins Leben gerufenen politischen Gremien .
Das neue Vorstandsteam wünscht sich eine gute, ergebnisorientierte Zusammenarbeit mit seinen ehemaligen Mitgliedern.

Auch wenn derzeit andere politische und soziale Themen die öffentliche Debatte dominieren, so darf doch kein Zweifel daran bestehen, dass es nach wie vor die Opfer sexualisierter Gewalt der ehemaligen Odenwaldschule, in vielen anderen Institutionen und Familien gibt, die auf die Anerkennung ihrer traumatischen Erfahrungen warten.

Oberste Priorität von Glasbrechen e.V. mit seinem neuen Vorstands wird sein :
Die Aufarbeitung der Verbrechen an der ehemaligen Odenwaldschule weiter vorwärts zu bringen, Ansprechpartner für Opfern/Betroffenen eben dieser zu sein und die Präventionsarbeit der vergangenen Jahre fortzusetzen .
Eine weitere wichtige Aufgabe wird das Einwerben von Spenden sein.

Auch nach dem „Untergang“ der OWS ist unsere Arbeit immer noch wichtig, wie der am Mittwoch in Bensheim stattfindende Prozeß gegen einen ehemaligen Lehrer der OWS, wegen Besitz von Kinderpornographie, zeigt.

Johannes von Dohnanyi
für den Vorstand von Glasbrechen e.V.

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Die Zukunft von Glasbrechen

Die vergangenen Monate waren turbulent.

Mit dem Jahreswechsel ist Adrian Koerfer von seinem Vorstandsposten zurück getreten und als Mitglied bei Glasbrechen ausgeschieden. Zusammen mit ihm haben einige Andere unseren Verein verlassen.

Wir bedauern den bereits seit längerem angekündigten Austritt von Adrian Koerfer, hat er doch – mit uns gemeinsam – in den vergangenen Jahren wertvolle Arbeit für Glasbrechen geleistet. Gleichzeitig freuen wir uns darüber, dass er weiterhin in Berliner Gremien für die Opfer sexualisierter Gewalt aktiv sein wird. Vielleicht ergibt sich in Zukunft aus dieser neuen Konstellation eine konstruktive Zusammenarbeit.

Aber auch wenn der Verlust uns lieber Mitglieder zweifellos eine Zäsur war: Die Existenzberechtigung des Vereins Glasbrechen hing und hängt nicht von der Mitgliedschaft Einzelner ab.

Und deshalb hat sich Glasbrechen – entgegen anders lautender Pressemeldungen der vergangenen Tage – nicht im vergangenen Oktober aufgelöst.

Allerdings haben die Ereignisse der vergangenen Wochen die Notwendigkeit bewiesen, die bisherigen Strategien und Ziele des Vereins zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu formulieren.

Deshalb soll noch im Januar 2016 eine ordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden. Der derzeitige Vorstand setzt für dieses Treffen auf die Anwesenheit möglichst vieler Mitglieder.

Bis dahin setzt der Verein, auf ausdrücklichen Wunsch seiner Mitglieder hin, seine Arbeit zugunsten der Opfer sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule unbeirrt fort.

Sofern die Mitgliederversammlung nichts anderes beschliesst, wird sich Glasbrechen auch in Zukunft für seine Satzungsziele einsetzen. Denn auch wenn es die Odenwaldschule nicht mehr gibt – die Opfer sexualisierter Gewalt und ihr Leid sind nicht gemeinsam mit der Schule untergegangen.

Deshalb werden wir weiterhin

  • Ansprechpartner sein für alle Opfer der Odenwaldschule, unabhängig davon, ob sie Mitglied bei Glasbrechen sind oder nicht;
  • für eine angemessene Entschädigung, Anerkennungszahlungen und nachhaltige Hilfe für die Betroffenen kämpfen;
  • die Aufklärung der über Jahrzehnte an den der Odenwaldschule anvertrauten Kinder begangenen Verbrechen verfolgen;
  • auf der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Systems bestehen, dass diese Verbrechen überhaupt erst möglich machte;
  • jede Institution, die Lehren aus den Ereignissen der Vergangenheit ziehen möchte, bei der Entwicklung eines modernen und umfassenden Präventionskatalogs unterstützen;

Eines hat das Insolvenzverfahren der Odenwaldschule bereits bewirkt: Niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob der Opferverein Glasbrechen noch Gelder aus der Vermögensmasse der Schule erwarten darf.

Daher sind wir, mehr noch als in der Vergangenheit, auf Spenden angewiesen.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
E-Mail: kontakt@glasbrechen.de bzw.
Telefon: 069 / 13390944

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Aufruf zur Teilnahme an Forschungsinterviews an ehemalige SchülerInnen der Odenwaldschule…

IPP – Institut für Praxisforschung und Projektberatung:

Aufruf zur Teilnahme an Forschungsinterviews an ehemalige SchülerInnen der Odenwaldschule, deren Aufenthalt über das Jugendamt finanziert wurde und Bitte an alle AltschülerInnen um Mithilfe bei der Gewinnung von ehemaligen LehrerInnen/MitarbeiterInnen für Interviews

Oktober 2015

Liebe ehemalige Schülerinnen und Schüler der Odenwaldschule,

wie Sie vielleicht wissen, wurde das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) aus München zusammen mit Herrn Prof. Dr. Jens Brachmann von der Universität Rostock mit der wissenschaftlichen Studie „Sexualisierte Gewalt an der Odenwaldschule“ beauftragt. Trotz der Insolvenz der Odenwaldschule soll dieser Forschungsauftrag abgeschlossen werden.

1.) Nach unserem ersten Aufruf vom Oktober 2014 meldeten sich bei uns kaum Altschüler, deren Aufenthalt durch das Jugendamt finanziert wurde. Daher ist es uns ein dringendes Anliegen noch weitere Interviews mit AltschülerInnen mit Jugendamtsfinanzierung zu führen. Sofern Sie zu dieser Personengruppe gehören, bitten wir Sie, sich zu einem Interview zur Verfügung zu stellen. Das Interview wird ca. zwei Stunden dauern und der Ort kann individuell vereinbart werden. In dem Interview wird es u. a. um Ihre persönlichen Erfahrungen in der Odenwaldschule, um ihre Anpassungsstrategien, über ihre Erlebnisse mit sexualisierter Gewalt und über ihre jetzige Sicht auf die damalige Zeit gehen.

Falls Sie bereit sind, mit uns über Ihre Erlebnisse im Zusammenhang mit der Odenwaldschule zu sprechen, bitten wir Sie, uns dies unter Odenwaldschule@ipp-muenchen.de mitzuteilen. Bitte informieren Sie uns in Ihrer E-Mail über den von Ihnen gewünschten Interviewort. Falls Sie sich vorstellen können, ins IPP nach München zu kommen, werden wir Ihnen Ihre Fahrtkosten erstatten. Darüber hinaus bräuchten wir Angaben zu dem Zeitraum, in dem Sie in der Odenwaldschule waren. Für eine Angabe, ob Sie von sexualisierter Gewalt betroffen oder nicht betroffen sind, wären wir Ihnen dankbar. Falls Sie es wollen, können Sie uns auch Angaben zum Tatzeitraum, den Täter bzw. Täterinnen und zur Tat mitteilen. Ihre Daten werden ausschließlich vom IPP unter Berücksichtigung des Datenschutzes verwendet.

2.) Darüber hinaus bitten wir alle AltschülerInnen um die Mithilfe bei Suche nach ehemaligen LehrerInnen/MitarbeiterInnen der Odenwaldschule. Sofern sie noch Kontakt zu ehemaligen LehrerInnen/MitarbeiterInnen haben, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie sie auf unsere Studie aufmerksam machen und Sie dazu motivieren könnten, sich für ein Forschungsinterview beim IPP unter der oben angegeben E-Mail Adresse zu melden.

Über das IPP können Sie sich unter http://www.ipp-muenchen.de informieren. Hier können Sie auch die vom IPP veröffentlichte Studien zu den Missbrauchsvorfällen in den Internaten der Benediktinerabteien Ettal und Kremsmünster unter http://www.ipp-muenchen.de/texte/ap_10.pdf bzw. http://www.ipp-muenchen.de/files/bericht_kremsmuenster_ipp_issn_1614-3159_nr-11.pdf abrufen und dadurch einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeitsweise des IPP bekommen.

Bei Fragen können Sie sich gerne telefonisch an Dr. Florian Straus oder Gerhard Hackenschmied Tel.: 0049/89/5435977-0 beim IPP, Ringseisstr. 8, 80337 München wenden.

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Vortrag in Rostock anlässlich der Tagung „Gewalterfahrung, Übergriffigkeit und deren Bewältigungsstrategien in öffentlichen Einrichtungen und auf pädagogischen Feldern“

Gewalt-Verbrechen

Zu einigen Aspekten einer Opfer-Situation im Zeichen sexuell motivierten Kindesmissbrauchs. Weiterlesen

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Zur wirtschaftlich dramatischen Situation der Odenwaldschule

Presserklärung seitens Glasbrechen e.V. zur Insolvenz der Odenwaldschule

Der Schlange beim Todeskampf zusehen zu müssen, tut weh. Im Klartext: die gegenwärtigen Schüler der OWS tun uns leid. Sie lebten bis heute in ständiger Angst um die Existenz ihrer Schule, die Mitarbeiter der Schule lebten seit Jahren in grösster Nervosität.
Den Schülern und Schülerinnen gilt unser Mitgefühl. Einen solchen Abschied haben sie nicht verdient.
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Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten ist konstituiert

Rörig: „Die Konstituierung des Betroffenenrats ist ein historisches Ereignis. Jetzt können Erfahrung und Kompetenz von Betroffenen kontinuierlich in die politischen Prozesse einfließen.“

Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

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Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“

Missbrauchsbeauftragter bietet Schulen, Sportvereinen und Praxen  neues Informationsmaterial für die Prävention von sexueller Gewalt 

Neu gestaltete Homepage des Beauftragten erweitert das Informationsangebot insbesondere zu Prävention, Hilfen und rechtlichen Fragen.

Hier dazu die Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig.

PM_Neue Präventionsmaterialien_Relaunch Website (PDF)

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Kurzfassung Bundespressekonferenz 26.01.2015

Kindesmissbrauch in Deutschland ist so aktuell wie auf allen anderen Erdteilen. Kindesmissbrauch ist weltweit. Kindesmissbrauch gibt es seit Menschengedenken. Bis heute noch hört Kindesmissbrauch nirgends auf. Auch 2015 nicht.
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Zur Bundespressekonferenz am 26.01.2015

Kindesmissbrauch in Deutschland ist so aktuell wie Kindesmissbrauch auf allen anderen Erdteilen. Kindesmissbrauch ist weltweit. Kindesmissbrauch gibt es seit Menschengedenken.

Prävention von Kindesmissbrauch ist so wichtig wie zum Beispiel Umweltpolitik. Das Phänomen Kindesmissbrauch ist aktuell wie Glaubensfragen. Wie heutige angebliche Glaubenskriege. Kindesmissbrauch spielt in allen Auseinandersetzungen eine furchtbare strategische Rolle, in Friedenszeiten auch. Kindesmissbrauch geht hierarchisch von oben nach unten. Kindesmissbrauch ist so dramatisch aktuell wie die Verbrechen der Boko Haram, des sog. IS, der Taliban. Nur passiert alles hier viel lautloser.

Kindesmissbrauch fängt historisch im Nirgendwo an und hört historisch nirgendwo auf.

Bis heute noch hört Kindesmissbrauch nirgends auf. Ich schreibe das im Jahr 2015.

Kindesmissbrauch ist so lebensentscheidend bedrohlich für die Opfer desselben wie Ebola, (wobei Ebola manchmal glücklicherweise heilbar ist), bedrohlich wie der Tsunami in Indonesien, wie das Erdbeben auf Haiti, wie das Rätselende von MH 370, wie das Leben im heutigen Syrien, beispielsweise. Kindesmissbrauch bedeutet häufig den Verlust allen Vertrauens und aller Hoffnung. Kindesmissbrauch ist für viele der Opfer oft frühzeitig tödlich.

Kindesmissbrauch ist tagesaktuell. Kindesmissbrauch ist immer und überall. Die Medien aber berichten über: den fünften Jahrestag des Erdbebens in Haiti, den zehnten Jahrestag des Tsunamis, die täglichen Opfer der Taliban in Afghanistan und Pakistan. Die Suche nach MH 370. Selten nur über die täglichen Opfer von Kindesmissbrauch. (Und gleichzeitig gilt mein herzlicher Dank den Medienvertretern, – ohne die WIR alle noch deutlich schutzloser wären.)

Wir sprechen von sieben bis neun Millionen Opfern von Kindesmissbrauch allein in Deutschland.

Kindesmissbrauch wird immer noch weitestgehend negiert im öffentlichen Denken. Die von Pädosexuellen missbrauchten Menschen sind offenbar: beschmutzt, selber schuld, sind nicht so wie Ihr.

Ich bin ein sexuell missbrauchtes Kind.

Zur Odenwaldschule: hier hiesse das Zauberwort „Haltung“. Wie hat sich die Schule, wie haben sich andere Täterorganisationen zu ihrer Schuld verhalten, wie verlief in den letzten fünf Jahren die Diskussion mit diesen „traumatisierten Institutionen“? Im Fall der Odenwaldschule muss ich leider eingestehen, dass wir im Grunde auch nach fünf Jahren Bewusstseinsarbeit wieder und noch am Anfang stehen. Gescheitert mit dem Versuch, Verständis für unsere Anliegen zu erreichen, vor allem aber auch in den Gremien der Schule ein Bewusstsein für die Traumatisierung der Opfer zu implementieren.

Reaktionen darauf sind nach fünf Jahren für uns weder spürbar noch erahnbar geworden. – Ich muss hier von den Eltern der gegenwärtigen Schüler  und auch von den Schülern absehen. Sie haben begriffen, dass ohne eine Aussöhnung mit den Opfern und deren Vertretern eine Zukunft der Schule nahezu unmöglich erscheint.  – Nicht so: Teile des Trägervereins, der Mitarbeiterschaft, des Altschülervereins. – Stichwort: macht uns unsere Schule nicht kaputt. Stichwort: Glasbrechen e.V.  ist unser natürlicher Feind. (Einige  der Lehrer der aktuellen Odenwaldschule waren schon zu Zeiten des Verbrechers Gerold Becker vor Ort. Sie schauen uns heute böse ängstlich an.)

Natürlich sind alle inzwischen dokumentierten Vorwürfe mittlerweile verjährt. Die Sprachlosigkeit der Schulverantwortlichen macht uns dennoch fassungslos. Dort oben wohnen sie noch, mit ihren Frauen, in ihren Familien, mit ihren Rentenansprüchen. Wir aber haben bis dato keine Ansprechpartner. Niemand ist uns wirklich wohlgesonnen, auch heute noch nicht!

Die Verweigerungshaltung von Institutionen wie der Odenwaldschule, und damit die bis heute problematische Haltung aller Täterorganisationen, kann m. E. nur dazu führen, die Haltung (!) gegenüber ihren Opfern zum alleinig gültigen Kriterium für weitere öffentliche oder auch private Förderung zu machen. Nichts anderes geht mehr, rien ne vas plus ausser: Wahrheitswahrnehmung, Verantwortungsübernahme, Schuldeingeständis und Empathie. Das müsste der Lakmustest für alle Institutionen sein!

Die Folgen für Opfer des Kindesmissbrauchs sind viel gravierender – immer noch viel gravierender – als die Folgen für jedwede institutionellen Tatorte. Das ist falsch.

Von den Opfern von Missbrauch in Familien, von den Opfern von Missbrauch im familiennahen Umfeld spreche ich hier nicht. Ich denke an sie.

Das führt mich zum letzten Punkt: der Mitwisserschaft.

Annähernd die Hälfte des Lehrpersonals meiner damaligen Schule – das ergeben heutige Erkenntnisse – war sexuell übergriffig gegenüber ihren Schutzbefohlenen. Gut die Hälfte der übrigen Hälfte mag nichts gewusst, mag nichts gesehen haben. Bleibt ein Viertel der Belegschaft, das gesehen, gehört, gewusst  – und nichts getan hat. Keinen Finger gekrümmt – an damals gängigen Telefonwählscheiben beispielsweise.

Niemand wurde informiert. Kein Schulamt. Kein Ministerium. Keine Polizei.

Es ist heute zu befürchten, dass mehr als fünfhundert Kinder und Jugendliche allein an der Odenwaldschule Opfer von päderastischen, pädosexuellen Verbrechern wurden. Opfer beiderlei Geschlechts übrigens. Sowohl als auch. Es gab auch Täterinnen.

Und niemand der vor Ort täglich Anwesenden fühlte sich dazu aufgerufen, Hilfe zu organisieren, dringend benötigte Hilfe von Aussen zu holen. Ganz im Gegenteil: Kinder (!) wurden von Mitwissern zur Abtreibung überredet. Kinder waren schwanger geworden von ihrem Lehrer. Beispielsweise.

Mein Appell geht daher heute an jene, in allen möglichen Bereichen des Kindesmissbrauchs, an die Mütter von Kindern, deren Männer missbrauchen, an die Kollegen und Kolleginnen von Lehrern, die Kinder missbrauchen, an die  Kollegen von Priestern, Pfarrern, Sportlehrern etc. usw.

Mit nur ein wenig mehr Mut, der so unendlich wichtig wäre, könnten Mitwisser jetzt gerade, in dieser Minute, hunderte von Kindern noch vor den fatalen Folgen von Kindesmissbrauch retten. Hier und überall. Jederzeit. Immerzu.

Fazit: ohne die (leider durchaus plausible) Scheu vieler Mitwisser gäbe es deutlich weniger Opfer. Mitwisser werden zu Mittätern, solange sie sich nicht endlich zum Schutz der betroffenen Kinder und Jugendlichen entschliessen.

Adrian Koerfer

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